FOREWORD

MANIFESTWO is my second manifesto. It consists of an instagram account, a website and a Rundgangsintervention. In one of the usual 20 something years old and depressive states of mind and the context of the planet going to shit I started to ask myself Questions about Art. I wondered what my role as a fine arts student is. Has art has a responsibility for society? Can it live up to the current crises humankind and our planet is going trough? And if so, how, and what does this mean for my own artistic practice ? With these questions in mind I did the only logical thing: I used some instagram bots to comment my questions and demands under posts with 'artsy' hashtags. If the bots' comments would provoke a response, I tried to start a real conversations, to discuss further or simply to get more insight into other peoples views and ideas on the matter. If I came across interesting new thoughts or questions, I would add them to the bots repertoire of comments, advancing the discourse. Additionaly I programmed some stuff (see resources section) to extract those comment threads and made website to collectively show all my findings in one place. In the end MANIFESTWO is less a manifesto presenting guidelines and more a collection of different considerations about art.


Kunst darf ja immer alles muss aber gar nichts. Ein ziemliches Privileg eigentlich. Glücklich ist der, der sich in der Blase Kunst abkapseln und seiner kreativen Energie freien Lauf lassen kann. Man Interessiert sich für Spannung, Räume, Material, Wahrnehmung und arbeitet an skulpturalen Momenten, Bildebenen und Formsprachen. Es ist eine tolle, rauschende Welt, in die man sich begibt, wenn man sich entscheidet Kunst zu betreiben, zu studieren. Doch irgendwann verlässt man die Galerie oder das Atelier und kommt wieder in der normalen Welt an. Und die brennt. Nicht in der Galerie, auch nicht bei mir zu Hause aber irgendwo brennt es. Das Feuer breitet sich aus und so auch mein Gefühl, dass nicht genug Löschversuche unternommen werden. Aber nächsten Friday kann ich leider auch nicht kommen. Ich muss noch meine Videoinstallation für den Rundgang fertig machen. Gleichzeitig macht sich jedoch auch eine gewisse Ermüdungserscheinung breit. Eine Ausstellung nach der anderen. Als Kunststudent sowieo ständig umgeben von Kunst, dazu endlose Feeds von Bildern, die durchgekaute Metapher der Bilderflut. So rein visuell kann ich gerade nicht mehr. Dennoch kann ich nicht aufhören weiterhin auf die F5-Taste zu drücken. Doch es scheint nichts neues zu kommen. Zukunft? Stipendien, Kunstpreise, aussagekräftiges Portfolio, Meisterschüler und Verbindungen. Anschließend Bunker bauen und abwarten. Einen Bunker zu bauen ist konstruktiv und das ist immer besser als destruktiv. Die Bunkerwände werden natürlich weiß gestrichen. So far, so bitter.


Was scheinbar fehlt ist ein positives Narrativ für die Zukunft. Zumindest ein nicht allzu negatives Narrativ. Trage ich als Kunststudent da eine Mitverantwortung? Trägt die Kunst da eine Verantwortung? Kann zeitgenössische Kunst den gegenwärtigen Krisen gerecht werden? Wenn ja, wie? Offen, demokratisch, egalitär sind Adjektive, die mir vorschweben, wenn ich über mögliche Ansätze und Strategien nachdenke. Jedenfalls weg vom herkömmlichem Galerie- und Kunstbetrieb. Oder doch bleiben und infiltrieren?


Mit diesen Überlegungen beschloss ich das einzig logische zu tun: Mithilfe von Instagram-Bots fundamentale Kunstfragen zu stellen, die den Kern meines Manifests ausmachen. Zumindest mit der Vorstellung eines freien, demokratisierendem, offenem Internet wählte ich hier Instagram als Plattform und wechselte von der einen Blase in die nächste. Ich benutze die Bots um eine Reihe von Fragen, Thesen und Statements in die #art bubble auf Instagram zu posten. Die Bots kommentieren stoisch Posts, mit den von mir vorgegebene Hashtags. Dadurch wird mir nicht nur eine Menge Arbeit abgenommen, sondern auch verhindert, dass die Wahl und das Kommentieren durch meine eigene menschliche Voreingenommenheit womöglich anders ausfällt. So sind die Reichweite und Auswahl der kommentierten Posts nur noch durch die Algorithmen und Hashtags vorgegeben. Anfangs kommentierte ich meinen Ansichten nach. Doch schnell realisierte ich, dass diese nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen sollten und es viel mehr darum geht eine gewisse Dialektik des Kunstschaffens zu akzeptieren. So entstanden Kommunikationen, in denen meine eigene, doch recht gefestigte Meinung, auf die Probe gestellt wurde. Gewissermaßen fand für mich so also eine Verschiebung statt, weg von Moralapostel-Performanz, hinzu offener Diskussion mit auf einer anderen Art Kunst-schaffenden Menschen. Nichtsdestotrotz; als Troll wahrgenommen zu werden, ist manchmal unvermeidbar :^D. Wenn auf die Kommentare des Bots Replies folgen, übernehme ich als Mensch und versuche eine Diskussion zu starten. Why do you dis/agree ? How so? Interesting! Follow-up questions. Jede Diskussion wird geloggt, extrahiert und automatisch als Textdatei gespeichert. Finde ich neue interessante Thesen, obgleich sie mir gefallen oder nicht, oder wenn sich neue Fragen auftun, werden diese in das Kommentar-Repertoire des Bots gefüttert. Eine Art Feedback-Loop mit der Plattform entsteht und das Manifest schreibt sich fast von alleine. Ich muss nur die Benachrichtigungen abarbeiten und reagieren. Die Textdateien der extrahierten Threads werden thematisch sortiert, in Listen aufgespalten und wieder gespeichert, bevor sie dann erneut ausgelesen und formatiert im Schoß der Manifest Website landen. Ich habe mir da ein wackeliges Kartenhaus aus Python, PHP, HTML und CSS zusammengebaut.  Ich werde den Code nie wieder anfassen.


Dennoch soll das Ganze keine Internetzauberei sein. Quellenangaben zu den Posts und Links der Useraccounts. Videos, Bücher und Texte, die Teil der Nachforschung waren und auch der Code, so stümperhaft er sein mag, sollen kein Geheimnis bleiben.
Vielleicht ist die Arbeit weniger ein anleitendes Manifest als eine Suche nach und Sammlung von Gedanken und Ideen. Gleichzeitig ist es aber auch ein Versuch durch andere Kommunikationswege an partizipativen Strategien zu arbeiten und dadurch besser auf die Realität des Medien und Informationskonsum einzugehen.

Anyway, nicht vergessen zu followen.